Der Lavendel

Der Lavendel ist eine Pflanze, die uns bezaubert: Kaum eine andere Pflanze versetzt uns so schnell in Urlaubsstimmung und bringt uns geistig in den sonnigen Süden, wie der Lavendel. Die wunderschöne Farbe des Lavendels, das blau-violett der Lavendelblüten, dazu dieser würzige, herbe und südländische Duft, betören unsere Sinne und wirken sofort auf unsere Seele ein.

Der Lavendel

… ist ein Angehöriger der Pflanzenfamilie der so genannten Lippenblütler. Er kann bis zu 60 cm groß werden und erblüht zwischen Juni und August. In Frankreich taucht er ganze Landstriche in seine Farben, die von zart violett bis bläulich-violett reichen können.

Der Lavendel war ursprünglich in den Mittelmeerländern zu Hause, er wird aber inzwischen auf der ganzen Welt angepflanzt, so natürlich auch bei uns. Wegen der großen Beliebtheit der Pflanze und der heilkräftigen ätherischen Öle wird der Lavendel in großen Plantagen angepflanzt, die zur Blütezeit wunderbar anzusehen sind.

Aber auch in den Gärten wird der Lavendel immer beliebter: Viele Menschen holen sich damit ein bisschen Sonne und Süden vor das eigene Haus. Und der Lavendel bedankt sich bei uns dafür, dass wir ihm immer mehr Platz geben: Er hält im Gegenzug unliebsame Gäste aus unseren Gärten fern, so zum Beispiel Blattläuse oder Ameisen, ja sogar Mäuse vertreibt der Lavendel. Und auf unseren Terrassen, auf denen wir den Sommer genießen und auf denen man günstigerweise ebenfalls etwas Lavendel stehen hat, vertreibt er die lästigen Fliegen und Mücken.

Da der Lavendel eine so auffällige Pflanze ist, verwundert es nicht, dass er schon seit Jahrtausenden das Interesse des Menschen geweckt hat. So dürfte recht früh die entspannende Wirkung des Lavendels auf unsere Nerven erkannt worden sein, was dem Lavendel wohl auch den Namen Nervenkraut einbrachte.


Lavendel
   

Der Lavendel in der Antike

Die Menschen der Antike erkannten natürlich schon sehr früh die Besonderheit dieser wunderschönen Pflanze. Wahrscheinlich war es der besondere Duft, der das Interesse weckte. Dass es aber nicht nur eben eine besonders gut duftende Pflanze war, sondern auch eine Pflanze mit speziellen heilenden Eigenschaften, dürfte sehr schnell klar geworden sein: Man verwendete den Lavendel zur Beruhigung der Nerven, zur Desinfizierung von Wunden, oder auch als Duft- und Desinfektionsmittel in Gebäuden oder Bädern.

Im alten Ägypten, wo man die Kenntnis der Heilpflanzen und ätherischen Öle schon zu einer großen Heilkunst entwickelte, mumifizierte man die Toten unter anderem auch mit lavendelgetränkten Leinentüchern.Auch verbesserte man die Luft in den Zimmern von Kranken mit den Ölen der Pflanze, zudem verräucherte man den Lavendel für religiöse Zwecke.

Der erste, der den Lavendel allerdings richtig erforschte, war dann doch ein Römer, genannt Plinius der Ältere.
Er untersuchte im 1. Jahrhundert nach Christus die Wirkung des Lavendels und beschrieb ihn als Mittel zur Schmerzlinderung, gegen Magenbeschwerden, bei Menstruationsbeschwerden, gegen Insektenstiche, bei Gelbsucht oder auch bei Wassersucht.
Einige dieser Wirkungen sind in unserer Zeit von der Medizin bestätigt worden.

Die Apotheke der Soldaten
Obwohl im alten Rom das Gesundheitswesen und das Gesundheitswissen bereits schon sehr ausgeprägt waren, waren die einfachen Soldaten auf den teils umfangreichen Feldzügen eher auf sich selbst gestellt. Denn Leibärzte dürften nur die höheren Dienstränge gehabt haben, und nach großen Schlachten, in denen es viele Verwundete gab, dürften die Feldlazarette hoffnungslos überfüllt gewesen sein.
Aber auch hier erinnerte man sich wieder an den Lavendel: Die wunderschönen blauen Blüten halfen nicht nur bei Entzündungen, bei Verwundungen und anderen typischen Kriegsverletzungen, der Lavendel beruhigte sowohl vor als auch nach der Schlacht, half gegen die Angst und Aufregung, er schenkte neuen Mut und Selbstbewusstsein.

Gleiches geschah übrigens auch im 1. Weltkrieg, als die Desinfektionsmittel knapp wurden: Man verwendete statt dessen Lavendelöl.

 

Bereits im 1. Jahrhundert nach Christi Geburt verwendete man den Lavendel in der Türkei wegen seines Duftes. Die Frauen verwendeten ihn auch zur Haarpflege.

In der griechischen Mythologie sagte man dem Lavendel Zauberkräfte nach.

 

Plinius
Schon Plinius erkannte die heilende Wirkung des Lavendels und beschrieb sie in seinen Büchern.

 

 

Eine große Erfindung im alten Rom waren die öffentlichen Badeanstalten, die dafür sorgten, daß sich Erkrankungen nicht so schnell ausbreiten konnten. Es kam zu einem wahren Badekult, in dem auch rituelle Waschungen durchgeführt wurden.

Der Lavendel war eine beliebte Beigabe verschiedener Ölmischungen und Badezusätze: Es war bereits im alten Rom bekannt, daß der Lavendel gut zur Haut war und eine desinfizierende Wirkung hatte.



 

 

 

Lavendelfeld

Der Name des Lavendels

LavendelSeinen Namen bekam der Lavendel von den Römern, die schnell eine große Liebe zu der Pflanze entwickelten. So war der Lavendel im täglichen Leben zum Beispiel immer präsent als Duftmittel für die Wäsche, was sich die Hausfrauen bzw. Wäscherinnen zu Nutze machten, oder man verwendete eine wohlduftende und besonders hautregenerierende Creme, auch Nardum genannt.

Die römischen Herren bevorzugten eher Badezusätze und Körperwaschmittel mit Lavendel, was schließlich auch zum lateinischen Namen Lavare führte: Lavare bedeutet so viel wie "waschen". Man(n) kannte, liebte und verwendete die reinigende und desinfizierende Wirkung des Lavendels.

Wichtiges Heilkraut
Im 15. Jahrhundert wurde der Lavendel von Mönchen auch zu uns gebracht, und auch hier trat er ziemlich schnell seinen Siegeszug an. Er wurde in größeren Mengen in Klostergärten angebaut.

Paracelsus (1493-1541) mochte den Lavendel sehr: Auch er erkannte die beruhigende Wirkung auf unsere Nerven und die schmerzstillende Wirkung des Lavendels.

Schon im Mittelalter erkannte man, dass Lavendelpflücker keine Tuberkulose bekamen - was wohl am besonderen Duft des Lavendels bzw. den darin enthaltenen desinfizierenden Inhaltsstoffen lag, die beim Pflücken eingeatmet wurden.

Im Mittelalter, als die Pest wütete, sollte dieser reinigende Duft auch die Pest fernhalten. Was so wohl zum Teil auch funktioniert hat: Nicht dass der Lavendel die Pest besiegte, das kann auch der Lavendel nicht - aber man reinigte ja den Fußboden und streute dann den Lavendel aus, was zur Folge hatte, dass sich Ratten und Flöhe unwohl fühlten und so die Pest nicht weiter bzw. langsamer verbreitet wurde.

 

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